Verhaltenstherapie

Viele Kinder und Jugendliche zeigen psychische Störungen und problematische Verhaltensweisen, die sich durch ungünstig verlaufende Lernprozesse entwickelt haben. Mit Hilfe der verhaltenstherapeutischen Methoden können solche Verhaltensweisen positiv verändert und psychisch gesundes Verhalten aufgebaut werden. Die Kinder und Jugendlichen machen neue Erfahrungen, lernen, sich in konkreten Situationen anders zu verhalten und neue Erlebnisse zuzulassen. Vorhandene Fähigkeiten zur Problembewältigung werden positiv verstärkt, ungünstige Verhaltensweisen werden zum Beispiel durch Nichtbeachtung langsam abgebaut. Bei Kindern finden die Lernprozesse vor allem durch das Spiel statt, bei Jugendlichen zunehmend im Gespräch unter Einbeziehung kognitiver therapeutischer Methoden. Rollenspiele und Trainings in realen Situationen wie beispielsweise Expositionstraining können das Erlernen neuer Fertigkeiten unterstützen.

Die Hilfe zur Selbsthilfe steht im Mittelpunkt des therapeutischen Prozesses. Die Kinder und Jugendlichen bekommen in altersangemessener Form Einsicht in die Entstehungsgeschichte ihrer Probleme und erlernen Methoden, mit denen sie zukünftig ihre problematischen Verhaltensweisen besser bewältigen können. Zu Beginn des therapeutischen Prozesses wird eine Verhaltensanalyse erstellt. Das Problemverhalten, die Gefühle und Körperempfindungen werden beschrieben, die Auslöser und Ursachen benannt, die Folgen des Problemverhaltens erarbeitet und Verhaltensalternativen entwickelt.

Eine enge Vernetzung der therapeutischen Arbeit mit dem pädagogischen Alltag ist wichtig, damit die erlernten neuen Verhaltensweisen dort erprobt und gegebenenfalls noch verändert werden können. Auch im Gruppenalltag werden verhaltenstherapeutische Prinzipien in vielen Situationen angewendet, um zum Beispiel angemessene soziale Verhaltensweisen zu stärken oder die Selbstregulation beim Auftreten von negativen Gefühlen oder selbstschädigenden Verhaltensweisen zu verbessern. Eine wichtige Rolle spielt auch das Lernen durch Beobachtung / Modelllernen. Die Pädagogen/Innen und Mitbewohner/Innen in den Wohngruppen sind Modell für die Kinder und Jugendlichen im Alltag sowie in der Kontaktgestaltung mit den Eltern und weiteren Bezugspersonen. Durch deren Beobachtung kann der Aufbau neuer Verhaltensweisen zum Beispiel im Umgang mit Konflikten und Gefühlen unterstützt werden.

Darüber hinaus werden im pädagogischen Alltag Techniken zur Verbesserung der Selbststeuerung wie Verstärkerpläne, Selbstbeobachtungs- und Protokollbögen und Verträge mit den jungen Menschen eingesetzt. Konkrete Übungen zum Erlernen und Festigen neuer oder veränderter Verhaltensweisen werden in der Gruppe unter Anleitung umgesetzt.